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Agathenringli

Agatheringlein, Agatharinglein, Agathenbrot, Agathabrot

Agathenringli

In Kürze

Das Agathenringli ist ein ringförmiges Brot. In Einsiedeln wird es aus ungesüsstem Zopfteig gemacht. In Schwyz ist das Agathenringli aus Semmeliteig. Vergleicht man die beiden Agathenringli fallen zwei Punkte auf: Äusserlich ist festzustellen, dass die Schwyzer Version ein Teigstrang ist, der an beiden Enden zusammengefügt wird, der Ring erhält oben vier quere Einschnitte, die Oberfläche glänzt nicht. Das Einsiedler Ringli wird geflochten und erhält durch den zweifachen Eianstrich einen schönen Glanz. Die Rezepte unterscheiden sich deutlich durch das verwendete Fett, das Schwyzer Ringli enthält Schweineschmalz, das Einsiedler Ringli Butter. Das Besondere am Agathabrot ist nicht das Brot selber, sondern seine Segnung am Tag der Heiligen Agatha, am 5. Februar.

Der Brauch des Agathabrotes ist in vielen katholischen Regionen verbreitet. In der Schweiz insbesondere in Freiburg, der Innerschweiz und Appenzell Innerrhoden. In den meisten Regionen handelt es sich beim Agathabrot um ein ganz normales Brot oder Brötchen, das man segnet. Neben der Ringform der Innerschweiz ist auch im freiburgischen Plaffeien ein spezielles Agathabrot zu finden, eines in Brezelform.

Beschreibung

Das Ringbrot hat einen Durchmesser von ca. 15 cm und ist ca. 3 cm hoch. Die Oberfläche glänzt (Einsiedeln). Das matte Schwyzer Ringlein hat einen Durchmesser von ca. 14 cm und ist etwa 3 cm hoch, die Oberseite ist viermal quer eingeschnitten.

Zutaten

Weissmehl, Butter, Eier, Milch, Salz, Levit, Hefe, Malz (Einsiedeln). Weissmehl, Wasser, Schweineschmalz, Hefe, Milchpulver, Zucker, Salz, Malz (Schwyz)

Geschichte

Was hat es nun mit dieser Heiligen Agatha auf sich? Da sich die auf Sizilien lebende Christin Agatha weigerte, den nichtchristlichen, römischen Statthalter Quintianus zu heiraten und sich vom Christentum abzuwenden, bestrafte man sie, indem man ihre Brüste abschnitt. Als sie sich weiterhin weigerte, ihrem Glauben abzuschwören, wurde sie zu Tode gefoltert. Als am Jahrestag ihres Todes der Ätna ausbrach und die Lavamassen Catania bedrohten, versuchten die Einwohner mit dem Schleier der Agatha die Lavamassen aufzuhalten. Seitdem gilt sie als Patronin gegen Feuersgefahr und ist die Schutzpatronin von Catania. Mit der Zeit wurde Agatha zur Schutzpatronin gegen Feuersgefahr und zur Patronin der Feuerwehren, Glocken- und Erzgiesser, Goldschmiede, Berg- und Hochofenarbeiter, Glasmacher, Weber und Ammen.

Die früheste gefundene Erwähnung eines Brotsegens am Agathatag datiert aus dem Jahre 1466: In den Auflistungen der Ausgaben des Klosters Klingenthal in Basel wird das St. Agathenbrot aufgeführt. Laut dem Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens erwähnte der berühmte Prediger Geiler von Kaisersberg im Jahr 1516 als erster das Agathabrotes als Mittel gegen Feuer und Brand.

Die erste schriftliche Erwähnung des Agathenringlis in Schwyz stammt aus dem Jahre 1933. Brodmann-Jerosch berichtet, dass in Schwyz die Heilige Agatha von der Feuerwehr als Patronin verehrt wird. An ihrem Tage esse man gesegnetes Backwerk, „Agathenringli“, die man auch aufbewahre und bei Bränden zur Abwehr ins Feuer werfe. Auch im Atlas für schweizerische Volkskunde sind die Schwyzer Agathenringli erwähnt.

Vom Einsiedler Lokalhistoriker, Wernerkarl Kälin ist zu erfahren, dass in Einsiedeln „erst seit einigen Jahren“ Agathenringli verkauft werden. Davor brachten die Gläubigen Brot aller Art in die Kirche, wo es nach der Spätmesse um 10 Uhr gesegnet wurde. Ein befragter Bäcker erinnert sich denn auch, dass man etwa Mitte der 1970er Jahre begonnen hat, das Agathenringli in Einsiedeln herzustellen. Seit den 1990er Jahren gehen in Einsiedeln die Priester in die Bäckereien und sprechen dort den kirchlichen Segen über das Backgut. Man bewahrt ein Stück vom Agathenbrot oder -ringli im Kasten auf und gibt es Kindern mit, welche in die Fremde gehen; es löscht den "Heimwehbrand", so Kälin.

Produktion

Weissmehl, Butter, Eier, Milch, Salz, Levit, Hefe und Malz kommen gleichzeitig für gut 20 Minuten in die Knetmaschine. Nun wird der Teig zu einem Ballen geformt und ruht für 15 Minuten. Daraufhin wird der Teig in kleine Portionen aufgeteilt, je nach Teigmenge, von Hand oder mit der Aufschleifmaschine. Die kleinen Teigballen zu je 100 Gramm liegen für 15 Minuten auf der Arbeitsfläche. Anschliessend gibt der Bäcker sie in die Langwirkmaschine: Der zuvor runde Ballen erhält darin eine längliche Form. Nun wird der Teig mit beiden Händen zu einem rund 60 Zentimeter langen Strang von gleichmässiger Dicke ausgerollt. Diesen kreuzt der Bäcker so, dass ein Kreis von etwa 10 bis 13 cm Durchmesser entsteht. Die beiden Enden des Strangs werden um den Teigring gewickelt, bis schlussendlich die Teigenden aufeinandertreffen und an der Unterseite des Rings fixiert werden können. Das ist wichtig, denn nur so erhält das Ringlein eine schöne Form und ein grosse Öffnung in der Ringmitte. Danach erhalten die Ringlein einen Eianstrich, werden ruhen gelassen, und anschliessend noch einmal mit Ei bestrichen und dann in den Ofen geschoben. Hier backen sie während 15 bis 20 Minuten bei 200 bis 210 Grad Celsius. „Es ist wichtig den Eianstrich sorgfältig zu machen, denn das fertige Ringli soll überall glänzen, fehlt der Anstrich an einer Stelle, so ist diese matt.“ Nun sind die Agathenringli bereit für die Verteilung, doch zuvor segnet sie der Priester am Morgen des Agathatages in der Spedition.

Konsum

Beim Essen der Ringlein, überhaupt beim Agathenbrot allgemein, hatte man sich an gewisse Regeln zu halten, erinnert sich eine Bäckerin: Es durften mit dem Agathenringli keine Brösmeli gemacht werden, denn man hat mit dem gesegneten Brot achtsam umzugehen. Gegessen wird es etwa zum Frühstück anstelle von einem Weggli.

Ein Grossteil der Agathenringli wird aber gar nicht gegessen, sondern im Haus aufgehängt, zum Beispiel an einem Bändel oder mit einem Nagel an die Wand geschlagen, dies meist im Hauseingang. Aber auch im Stall hängt da und dort so ein Ringli oder es wird dem Vieh zu Essen gegeben. Das Agathenringli des Vorjahres sollte nicht einfach im Abfallsack entsorgt werden, so weiss der Bäcker zu berichten. Es sollte im Feuer verbrannt werden, das sei die richtige Entsorgung. Der Bäcker stellt fest: „Viele Junge im Dorf kennen die Bedeutung des Agathenringlis nicht mehr.“

... anderes

In den 1980er Jahren öffnete das neue Einkaufszentrum „Mythen Center“ in Schwyz seine Tore. Die Migros, ein Grossverteiler, ist mit einem Geschäft vertreten. Zum Agathentag bot deren Hausbäckerei auch Agathenringli an. Die Kundschaft freute dies, aber zur Sicherheit fragte sie nach: „Sind das gesegnete Agathenringli?“ Die Migros blieb auf den Ringli sitzen, denn sie waren nicht gesegnet! Ein Jahr später waren die Ringli der Migros auch gesegnet.

Literatur

  • Atlas der schweizerischen Volkskunde,   Weiss, Richard und Paul Geiger,   Basel,   1950.  
  • Gyr, Martin,   Einsiedler Volksbräuche,   Einsiedeln,   1935.  
  • Währen, Max,   Gesammelte Aufsätze zur Brot- und Gebäckkunde und -geschichte. 1940-1999,   Deutsches Brotmuseum Ulm (Dr. Hermann Eiselen),   Ulm,   2000.  
  • Gyr, Martin,   Schwyzer Volkstum. Nid Holz, näa; Läde, jaha,   Meinrad-Verlag,   Einsiedeln,   1955.  
  • Kalender der Kantone Uri, Schwyz, Zug 2007,   Zürcher Druck und Verlag AG,   Rotkreuz,   2006.  
  • Brodmann-Jerosch, H.,   Schweizer Volksleben. Sitten, Bräuche, Wohnstätten. Band 2,   Eugen Rentsch Verlag,   Erlenbach,   1933.  
  • Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache,   Staub, Friedrich et al..  
  • http://www.kath.ch/index.php?na=11,0,0,0,d,19700,   URL,   konsultiert 21..  
  • Schriften des Kulturvereins Chärnehus Einsiedeln,   Chärnehus Einsiedeln,   Einsiedeln,   1995.  
  • Schwyzer Zeitung, 6.2.1979,   1979.  
  • Wiget, Josef, Steinegger, Hans,   Feste und Bräuche im Kanton Schwyz,   Schwyz,   1989.  
  • http://www.kathpedia.com/index.php?title=Agatha_von_Catania,   URL,   konsultiert 5.2.  
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