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Wiiguetzli

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Wiiguetzli

In Kürze

Das Wiiguetzli ist ein Kleingebäck von rötlicher Farbe. Die Farbe erhält es durch die Zugabe von Sandelholz und Rotwein. Geformt wird es je nach Familien- oder Gemeindetradition mit einer Ausstechform oder einem Modell. Eine Standartgrösse oder -form gibt es nicht.

Das Wiiguetzli wird im Gebiet um Schaffhausen und dort – wohl wegen der Weinzugabe – vor allem in Gemeinden mit einer Weintradition hergestellt. Das Guetzli wird vorwiegend im Herbst und in der Vorweihnachtszeit von Privatpersonen für den Eigenkonsum sowie von Landfrauen zum Verkauf Gebacken. Im Gebiet um Schaffhausen darf der Herbst nicht vorbei ziehen, ohne dass die Einheimischen ihre Wiiguetzli geschmaust haben.

Beschreibung

Rötliches, weiches, ca. 8 mm hohes Guetzli, mit Modell oder Ausstechform gemacht, je nachdem mit Zuckerglasur.

Zutaten

Eier, Zucker, Mehl, Wiigueteligewürz, Rotwein, Kakaopulver, Salz, Natron oder Backpulver (fakultativ), je nach Rezept Mehl durch Nüsse ersetzt oder zusätzlich mit Zitronensaft, Zitronen- oder Orangenschalen. Mit Haferflocken vermischt als Energieriegel.

Geschichte

Dass das Wiiguetzli mindestens 100 Jahre alt ist, beweist die wichtigste Zutat: die Gewürzmischung aus Nelken, Zimt, Sandelholz und Zucker. Diese Wiiguetzli-Gewürzmischung wird von der Firma Rito in Stein am Rhein seit über 100 Jahren hergestellt. Auch ein pensionierter Drogist aus der gleichen Stadt stellt jeden Herbst ein „Weinguteli Gewürz“ zusammen. Er hat das Rezept von seinem Vorvorgänger, der im Jahr 1909 die Drogerie eröffnete, übernommen.

Vermutlich gab es das Wiiguetzli aber schon früher. Entstanden ist es in der Schaffhauser Bauernküche. Die Bäuerin nahm zum Backen, was der eigene Hof bot, im Weinanbaugebiet war das auch Rotwein. Früher wurden die Wiiguetzli bis im Frühling und Sommer aufbewahrt, um sie als Zwischenverpflegung aufs Feld mitzunehmen. Die befragte Produzentin erinnert sich: „Auf den Herbst backte die Mutter die Gueteli, es wurde dann zum „Herbschte“, also zu den Arbeiten in den Reben, mitgenommen.“ Diese Wiiguetzli waren recht hart, damit man sie länger aufbewahren und auch besser transportieren konnte.

Das Wiiguetzli gibt es noch heute in verschiedenen ortspezifischen Varianten: „In Osterfingen besteht die Gewürzmischung aus Träsetpulver (Magenträs), Sandelholzpulver, Zimt und Nägeli“, verrät die befragte Produzentin. Das Osterfinger Guetzli ist weich und beinhaltet Haselnüsse. Bis in die 1990er Jahre gab es in Osterfingen eine Bäuerin, die im Ofen mit Schamottsteinen Wiiguetzli backte. Üblicherweise wurde einmal in der Woche Brot gebacken, meist am Freitag. Zuerst kamen die Wähen in den Ofen, dann das Brot und zum Schluss wurden mit der Resthitze die Wiiguetzli gebacken. Die Produzentin erinnert sich noch gut an die Wiiguetzli der eigenen Mutter, diese waren hart, die der Tante sogar noch härter. Heute sind die Wiiguetzli nicht mehr so hart, dass man sie zerbrechen und langsam im Mund zergehen lassen muss.

Produktion

Da es ein Gebäck ist, das gerne in der Familie gebacken wird, gibt es kein allgemein gültiges Rezept. Zutaten und Mengen variieren, doch der Rotwein ist stets die feste Grösse. Neben den Ausstechformen oder dem Modell kann auch ganz einfach ein Messer genommen, um den Teig in Stücke zu schneiden.

Zucker, Rotwein, Eier und Wiiguetzligewürz werden in eine Schüssel gegeben und vermischt. Das Mehl muss unter konstantem Rühren hinzugefügt werden. Mit der Zeit entsteht ein fester Teig, den man gut durchgekneten muss. Dieser wird anschliessend auf eine Dicke von ca. acht Millimeter ausgewallt. Mit verschiedenen Ausstechformen werden die Guetzli ausgestochen und auf ein Backblech gelegt. Daraufhin werden sie an einem warmen Ort rund 24 Stunden getrocknet. Zum Schluss backt man sie etwa acht Minuten auf der untersten Rille bei 180 Grad Celsius.

Konsum

Im Herbst verkaufen die Landfrauen die Guetzli an Trottenfesten, an Märkten und Basaren. Konsumiert wird das Schaffhauser Wiiguetzli zu Kaffee, Rotwein oder saurem Most, also Apfelwein.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Produktion von Wiiguetzli ist für die Produzentinnen ein Nebenerwerb. Einige backen vor allem auf Bestellung oder in Hinblick auf ein Fest. In Osterfingen etwa wird auf das zweite Wochenende im Oktober besonders viel gebacken, denn dann findet das Trottenfest statt. 3'000 Stück werden zu diesem Anlass produziert. Ein Fünferpack mit relativ grossen Guetzlis (ca. 40 Gramm/ Stück.) in Blumenform kostet im Jahre 2008 5 Franken.

... anderes

Seit dem ausgehenden 12. Jahrhundert bemühten sich die Mönche des Klosters Allerheiligen in Schafhausen um die Kultivierung der Reben durch ihre Pächter. Im Verlauf des Mittelalters dehnte sich das Weinanbaugebiet durch Waldrodungen und Umwandlungen von Äckern immer mehr aus. Schliesslich besassen praktisch alle Schaffhauser Gemeinden, ausser Hemmental und Bargen, eine Anzahl Rebberge. Wein wurde also zum Hauptexportgut der Region. Exportiert wurde in den Schwarzwald, ins Donautal, ins Toggenburg und in die Innerschweiz. Bis ins 19. Jahrhundert wurden vorwiegend weisse Trauben in Schaffhausen angebaut. Sie waren in der Regel resistenter gegen Kälteeinbrüche und Fäulnis und lieferten höhere Erträge als die roten. So ist der Publikation „Schaffhausen geniessen“ zu entnehmen. 

Literatur

  • Bendel, Hedwig<BR />Corte, Renzo<BR />et alteri,   Schaffhausen geniessen. Mehr als ein Kochbuch,   Meier Verlag,   Schaffhausen,   1997.  
  • http://www.weinguteli.ch/,   URL,   konsultiert 15..  
  • Richli, Alfred,   Schaffhauser Mundartwörterbuch,   Meier Buchverlag,   Schaffhausen,   2003.  
Konditorei- und Backwaren Drücken

Produktionsepizentrum

Schaffhausen, Zürcher Weinland, Kanton Thurgau, dem Rhein entlang
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