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Zofinger Kinderfesttorte

Chenderfeschtchueche

Zofinger Kinderfesttorte

In Kürze

Der süsse Höhepunkt des Zofinger Kinderfestes ist die Kinderfesttorte, eine mehrlagige Zitronenbiskuittorte. Sie ist ca. 5 cm hoch, mit gelber oder weisser Zuckerglasur, der Rand ist mit gehobelten Mandeln verziert. Es gibt sie in verschiedenen Grössen. Jeder Zofinger Bäcker produziert sie nach seinem betriebseigenen Rezept. Das Zofinger Kinderfest findet jeweils im Juli statt.

Die Zofinger Kinderfesttorte ist typisch für Zofingen und sein jährliches Kinderfest – als Zitronenbiskuit ist sie aber auch in anderen Gegenden der Schweiz zu finden.

Beschreibung

Die Zofinger Kinderfesttorte ist eine gefüllte, runde Zitornenbiskuittorte., Sie ist ca. 5 cm hoch, mit gelber oder weisser Zuckerglasur, der Rand ist mit gehobelten Mandeln verziert. Es gibt sie in verschiedenen Grössen

Zutaten

Biscuit: Weizenweissmehl, Eier, Zucker, Wasser, Zitronenraspel, Backpulver; Crème: Butter, Zucker, Wasser, Eier, Vanillestängel, Zitronensaft; Glasur: Fondant, gelbe Lebensmittelfarbe, Aprikosengelee, Schokolade; Rand: gehobelte und geröstete Mandeln

Geschichte

Die erste Erwähnung einer Zofinger Kinderfesttorte findet man in einer Publikation aus dem Jahre 1942. Ein Altbäckermeister mit Jahrgang 1943 erinnert sich an den Kinderfestkuchen seiner Jugend: „Es war ein einfacher Biskuit mit klebriger Zuckerglasur.“ Später stellte er den Kinderfestkuchen nach dem Rezept seines Grossvaters selbst her. Doch beim "klebrig-süssen" Genuss sollte es nicht bleiben: Der Bäcker- und Konditormeister Hans Graber (1924-2009) begann etwa um 1970 eine gefüllte Kinderfesttorte herzustellen. Die Konsumenten bevorzugten die neue, opulentere Torte. Daraufhin bestimmte die Stadt Zofingen zu Beginn der 1980er Jahre, dass jeder Bäcker von nun an gefüllte Torten mit Zitronengeschmack für das Kinderfest herstellen soll. Einige Bäcker füllen den Zitronenbiskuit nun mit einer Buttercrème, andere mit einer Crème aus Ei, Zucker, Kartoffelstärke, Zitronenschale und -saft.

Das Kinderfest selber ist einiges älter: Die früheste Erwähnung findet man im „Reglement für die sämtlichen öffentlichen Schulen der Stadt Zofingen“ aus dem Jahr 1809. Das erste Fest fand im darauf folgenden Jahr statt, als Belohnung für die besonders fleissigen Schulkinder. Erst fünfzehn Jahre später, also 1825, wurde das zweite Kinderfest durchgeführt. Der Hauptprogrammpunkt war eine zweistündige, öffentliche Exerzierübung von dem im gleichen Jahr gegründeten Zofinger Kadettenkorps. In dieser Form fand das Kinderfest ab dann jedes Jahr statt. Nach dem 1. Weltkrieg begann man in Zofingen, den Sinn des Kadettenkorps anzuzweifeln und seit dem Jahr 1969 beschränkte man die militärischen Aktivitäten der Kadetten auf die Kinderfestwoche. Heute besteht das Korps nur noch während der Kinderfestwoche.

Das Essen war seit der Einführung wichtiger Programmpunkt. Eine Beschreibung des Mittagessens um 1825 zeigt, was es damals für die Kinder gab: „Die Knaben erhielten Bratis (Braten) und Salat, zweyerley Sorten Küchli, Biren und Zwetschgen so wie auch Tarteren Wein und schönes SimmelBrodt. Die Mädchen Thee mit Milch, Küchli, Tatteren, Obst und Brodt wie die Knaben.“ Zum Zvieri gab es wieder Küchlein und zum Abendessen unter anderem auch eine Wurst.

Produktion

Der Boden und die Einlage der Zofinger Kinderfesttorte bildet ein Zitronenbiskuit mit Rapée, das sind feine Zitronenschalestreifen, auch Zesten genannt. Eier, Zucker, Zesten und Wasser werden in die Rührmaschine gegeben und vermischt, Mehl und Backpulver fügt der Produzent am Schluss zu. Der Teig wird in Backformen gegeben und während 20 bis 25 Minuten bei etwa 200 Grad gebacken. Danach muss der Biskuit auskühlen, bevor die Konditorin ihn in drei gleich dicke Scheiben teilt.Für die Buttercrème muss zuerst die Butter schaumig geschlagen werden, dann gibt die Konditorin Zucker und Vanille dazu, es folgt das Zitronenkonzentrat und die Zesten.Nun wird eine erste Lage Buttercrème etwa ein Zentimeter dick auf den Biskuit gestrichen. Die Konditorin legt den zweiten Biskuit auf die Buttercrème und tränkt diesen mit Zuckerzitronensaft. Es folgt eine zweite Lage Buttercrème. Die Torte schliesst man mit dem mit Zitronensaft befeuchteten Biskuitsboden ab.

Jetzt geht es an die Dekoration der Torte. Zuerst bestreicht die Konditorin Buttercrème an den Rand. Dann gibt sie eine Schicht Apricotur auf die Oberseite, als Schutzschicht für die Glasur. Denn ohne diese würde die Glasur einfach durch die Biskuitlage fliessen. Eine gute Apricotur ist auch Grundlage für den schönen Glanz. Sie muss sehr heiss aufgetragen werden, damit sie eine genügend feste Schicht bildet. Die Glasur, eine weisse, feste (im warmen Zustand zähflüssige) Zuckermasse, wird ebenfalls auf 60 Grad Celsius erwärmt. Die Konditorin giesst die Glasur auf die Mitte der Tortenoberfläche und verteilt sie mit dem Spatel. Mit einem kleinen Cornets aus Papier fertigt die Konditorin ein spiralenförmiges Muster aus flüssiger Schokolade. Ganz zum Schluss verziert sie den Rand der Torte mit gehobelten und gerösteten Mandeln.

Konsum

Gegessen wird die Kinderfesttorte von Jung und Alt. Unbestrittener Höhepunkt des Konsums ist das Zofinger Kinderfest. Denn: Ein Kinderfest ohne Kinderfesttorte ist für die Zofinger Bevölkerung kein richtiges Fest!

Die Kinderfesttorte hält gekühlt bis zu fünf Tagen. Die Torte kann stückweise oder ganz gekauft werden. Es gibt sie in verschiedenen Grössen, der Durchmesser variiert von zwölf bis 30 Zentimetern. Rechteckig kann sie eine Grösse von einem halben Backblech erreichen, das sind 44 cm mal 24 cm Grundfläche.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Torte wird ab Mitte Juni produziert. Am meisten Torten werden am Kinderfest selbst verkauft, an diesem Tag verlegen die Bäckereien die Verkaufsfront nach aussen.

Für die Monate Juni und Juli ist die Torte ein wichtiges Produkt, nicht nur finanziell, sondern auch emotional.

... anderes

Der süss-klebrige Genuss wurde sogar in einem Gedicht verewigt: „Vo allne Chueche der bescht, isch dä vom Chinderfescht. Er isch für s Mu und s Gmüet e Gnuss, wäge sim chläbrige Zuckerguss. Bim Fahne vom alte Thuet: Dä Chueche isch eifach guet!“

Literatur

  • Hansen, Hans Jürgen,   Kunstgeschichte des Backwerks,   Gerhard Stalling Verlag,   Oldenburg,   1968.  
  • Zofinger Neujahrsblatt 1958,   Zofingen,   1958.  
  • Zofinger Neujahrsblatt 1976,   Zofingen,   1976.  
  • Zofinger Neujahrsblatt 1986,   Zofingen,   1986.  
  • 400 Jahre Aarauer Maienzug,   Stadt Aarau,   Aarau,   1988.  
  • Lüthi, Christian, Manuela Ros, Annemarie Roth und Andreas Steigmeier,   Zofingen im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Kleinstadt sucht ihre Rolle,   Baden,   1999.  
  • Thalmann, Rolf,   Das Jahr der Schweiz in Fest und Brauch,   Zürich, München,   1981.  
  • Kurt, Blum,   Das Zofinger Kinderfest gestern,   Zofingen,   1975.  
  • Schwarz, Rudolf,   Das Kadettenkorps Zofingen. In den ersten 100 Jahren seines Bestehens,   Zofingen,   1925.  
  • Zofinger Neujahrsblatt 1960,   Zofingen,   1960.  
  • Monatsbulletin Zofingen und Umgebung,   Zofingen,   1989.  
  • Métraux, Hans,   Schweizer Jugendleben in fünf Jahrhunderten,   Zürich,   1942.  
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Zofingen
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