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Bitter des Diablerets

Bitter des Diablerets

In Kürze

Bittere Aperitifs, Bitter genannt, haben im Verlauf des 19. Jahrhunderts fast überall in Europa und in Nordamerika eine starke Expansion erfahren. Die Schweiz bildete keine Ausnahme und erlebte in dieser Epoche das Erblühen zahlreicher Bitter-Marken, darunter der Bitter des Diablerets. Ausserdem begann sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Begriff «Aperitif» [als Trinkritual und Getränkestil] zu etablieren. Vorher bezeichnete man Getränke dieser Art als Likör, Digestiv [«Verdauerli»] oder «apéritive», was ([mit –ve geschrieben] Appetitanreger bedeutet. Man sprach diesen Getränken eine Vielzahl therapeutischer Wirkungen zu.

Beschreibung

Bitterer Aperitif von brauner Farbe, hergestellt auf der Basis von Bergkräutern und –wurzeln.

Variationen

Vor 1976 unterschied sich das Rezept des Bitter des Diablerets vom späteren. Das lässt sich im Detail nicht präzisieren, weil das Originalrezept wie das spätere geheim gehalten wird.

Zutaten

Gelber Enzian, Orangenschale, Bergkräuter, Wurzeln (sicher 15 verschiedene).

Geschichte

Die Legende zum Bitter des Diablerets: «Eines Tages übte sich der Teufel [auf einem Gipfel zwischen Waadt und Wallis; die Bergkette heisst nach dem Teufel – le diable – Les Diablerets] in Kraftmeierei und schmiss mit Steinen um sich. Ungeschickt löste er über den Köpfen der Einwohner von Derborence auf der Walliser Seite einen Bergsturz aus. Die Toten wurden beweint. Im Schutz überhängender Felsen überlebten Bauern die Katastrophe. Sie saugten an den Wurzeln diverser Pflanzen und retteten auf diese Weise ihr Leben. Das war die Geburtsstunde des Bitter des Diablerets.»

Kreiert wurde der Bitter des Diablerets 1876 von François Leyvraz in Aigle. Ein ganzes Jahrhundert lang blieb das Getränk exklusiv in den Händen der Familie Leyvraz und ihrer Nachkommen. 1976 übernahm die Firma Escher SA in Genf die Produktion des Bitter des Diablerets. Die Firma modifizierte ein bisschen das Originalrezept und änderte die Etikette. Der heutige Bitter enthält 18 Volumenprozent Alkohol, das alte Rezept hatte 22 Volumenprozent.

Getrunken wird der Bitter des Diablerets quasi nur in Aigle und Umgebung, dem Chablais vaudois. Escher SA hat versucht, den Aperitif auch anderswo zu kommerzialisieren – ohne Erfolg. Sogar in unmittelbarer Nachbarschaft, dem Chablais valaisan, entpuppte sich der Versuch als Fehlschlag.

Bis zur Schliessung der Fabrik der Familie Leyvraz war der Bitter des Diablerets in den Alpen und im Chablais vaudois stark verbreitet. Dies bestätigt ein Artikel von Corinne Feuz, der am 1. September 2005 publiziert wurde: «In Aigle war zur Stunde des Aperitifs nicht die Wahl die Frage, sondern: mit oder ohne Wasser? Man sprach vom Bitter des Diablerets; es gab auch noch Bitter mit Wasser und Cassis-Likör.» Der Schriftsteller Jacques Chessex sang Lobeshymnen in seinem «Portrait des Vaudois» (1969): «Diablerets! Une gorgée âcre, amère, sucrée, une céleste poignée d’herbes des pâturages sous la cascade et les alpes à tête rasée comme des bronzes, la sauvagerie de l’aigle scrutant la vallée où bouillonne la rivière entre les flancs verts et les rocs du désert!» – Diablerets! Ein herber Schluck, bitter, zuckrig, eine himmlische Handvoll Kräuter von den Weiden unter dem Wasserfall und den kahlen Alpen, die Wildheit des Adlers, der mit scharfem Blick das Tal absucht, wo der Fluss zwischen den grünen Flanken und den Felsen der Wüste schäumt.

Produktion

Die Firma Escher SA, aktuell einzige Produzentin von Bitter des Diablerets und alleinige Inhaberin der Rechte dieses Produkts, will nicht die geringste Angabe zur Herstellung des Bitters herausrücken. Das Geheimnis soll Geheimnis bleiben.

Konsum

Generell trinkt man Bitter des Diablerets zum Aperitif oder auch als Digestif. Als Aperitif vor allem «on the rocks», also mit Eis und manchmal etwas Mineralwasser. Oder auch in Begleitung von Cassis-Likör. Als Digestif wird der Bitter pur getrunken. In den Bars und Restaurant von Diablerets wird der Bitter ausserdem mit Cola unter der Bezeichnung «surf» angeboten.

Früher hat man dem Bitter des Diablerets zahlreiche Tugenden zugeschrieben. So soll er «mit Erfolg Krämpfe und andere Magenstörungen, Blutarmut, Asthma, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Herzrasen etc.» bekämpft haben laut einer Publikation von 1894. Dem Logo wurden oft Sätze beigestellt wie «apéritif sain», gesunder Aperitif, oder «donne santé et vigueur», gibt Gesundheit und Kraft. Und weiter zeichneten ihn, so dieselbe Publikation, seine zahlreichen Vorteile und der Alkoholgehalt «très minime» (dennoch 22 Volumenprozent…) als «Likör par excellence für die ganze Familie» aus. Seither haben sich die Trinksitten gewandelt, die Anwendung des Bitter des Diablerets für die ganze Familie ist im 21. Jahrhundert kein Verkaufsargument mehr.

Bitter des Diablerets ist auch eine unverzichtbare Zutat in der Füllung des Bouchon vaudois, einer emblematischen Waadtländer Süssigkeit (siehe entsprechende Fiche).

2016 erweiterte die Firma Escher SA das Angebot «nach dem Bitter des Diablerets, dem einzigen nationalen Aperitif Westschweizer Ursprungs», um «Diabolique»: «Diabolique Version 2016 bringt das Originalrezept des Bitter des Diablerets von 1876 zurück. Eine Komposition, die den Geschmack der Zeit trifft, und die körperreicher auftritt (35% vol.). Der Teufel kehrt mit voller Kraft zurück zur Freude machiavellistischer Papillen!» (bitterdiablerets.ch, Januar 2017).

... anderes

Die Maison Leyvraz war «das erste Haus in der Schweiz, das es gewagt hat, den Teufel als Werbefigur zu wählen», lautet ein Satz aus dem Hause Escher. Die «Teufelswette» scheint sich gelohnt zu haben, glaubt man den Worten von Jacques Chessex: «Früher gab es in den Bahnhofhallen grosse, furchteinflössende Plakate, auf denen über einer Schlucht ein fliegender Teufel eine Flasche Bitter des Diablerets mit sich trug. Das war grossartig und unvergesslich.»

Die Gämse, die auf einem Felsen steht, ist ebenfalls ein Emblem der Marke, das die Gemüter tief berührt hat.

Literatur

  • J.-L. Clade, Ch. Jollès,   La gentiane: L'aventure de la fée jaune,   Cabédita,   Yens sur Morges,   2006.  
  • Preiswerk, Yvonne,   Le repas de la mort. Catholiques et protestants aux enterrements. Visages de la culture populaire en Anniviers et aux Ormonts,   Sierre,   1983.  
  • Geissbuehler, Marc,   Les Diablerets, Vers-l’Eglise, Ormont-Dessus : deux siècles d’attrait et d’accueil,   M.R. Geissbuehler,   les Diablerets,   1989.  
  • Jacques Chessex,   Portrait des Vaudois,   Ed de l’Aire,   Vevey,   2004.  
  • Transmis par Gante, M.,   Légende « Le diable en Suisse »,   inconnue.  
  • D. PH.,   Un vieux bitter, s.v.p!,   inconnue.  
  • Corinne Feuz,   24 Heures, 01. 09. 2005,   24 Heures,   2005.  
  • Véronique Saunier,   24 Heures, 08. 09. 2005,   24 Heures,   2005.  
  • http://bitterdiablerets.ch/,   Janvier 2017.  
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